Thema:
Planung und Durchführung - Der Entwurf
Impulse zur Auseinandersetzung:
Andreas Gruschka kennzeichnet folgende sechs ´Strategien´, nach denen das didaktischen Angebot geplant wird: „Manche entwerfen gleichsam ein »Drehbuch« für das durchzuführende Angebot. Dieses enthält die Dramaturgie des zeitlichen Ablaufes, den angestrebten Höhepunkt und insbesondere eine Vorstellung, wie man bestimmte schwierige oder auch kooperative Kinder in die Aktivität einbinden könnte. (…) Dieser radikalen Prozessorientierung steht der »produktorientierte Planer« entgegen. Für ihn besteht die Herausforderung darin, ausgehend vom Ergebnis der Aktivität mit den Kindern möglichst direkt und eindeutig Schritte zu entwerfen, mit denen ihm die Sicherheit vermittelt wird, das Ziel sei zu erreichen. (…) Eine solche Zielfixierung ist dem »Spontaneisten« fremd. (…). Sein Plan reduziert sich im engeren Sinne darauf, einen möglichst guten Impuls zu geben, während sich alles Weitere aus der lebendigen Auseinandersetzung der Kinder mit dem Stoff und der eigenen Spontaneität in der situationsspezifischen Steuerung des Kommunikationsprozesses ergibt. Etwas anders geht der »Weichensteller« vor. Er legt den antizipierten Lernprozess durch die Bestimmung von Knotenpunkten aus. (…) Die hierfür erforderlichen Interventionen hat der Weichensteller vor dem Beginn seines Angebotes sehr genau im Kopf. Ein weiteres Muster besteht darin, die »Interaktion und Arbeit« in der Gruppe zum Ausgangspunkt der Planung zu machen. Sicherheit entsteht, wenn die Aktivitäten der Kinder vorab entschieden werden konnten und insofern deren Beschäftigung geplant ist. (…). Schließlich gibt es Pädagogen, die sehr stark einem »operationalisierten Plan« folgen. Die Pointe des Plans besteht nun darin, dass zu Beginn den Kindern das Vorgehen sehr genau erklärt wird, damit die Suggestion entsteht, dem Plan müsse tatsächlich gefolgt werden. (…)“ (Andreas Gruschka: Didaktik. Wetzlar 2002, S. 326f.)
Inhaltliche Hinweise
Zu Beginn der Ausbildung wurden viele Unterrichtsentwürfe besprochen (vgl. Download 2 und 3 und auch http://wwwcs.uni-paderborn.de/schulen/sem/faecher/bereich/ab2/pa.html), immer wieder wurde deutlich, dass eine fachlich fundierte Vorbereitung eine wichtige Grundlage einer sachstrukturierten Orientierung in dem Sinne ermöglicht, dass die konzipierte Lernlandschaft nicht überwindbare Schluchten im Sinne einer fachlichen Überforderung oder auch unzulänglichen methodischen wie lernlogischen Schrittigkeit aufweist. Nur eine solide Planung kann ein wissenschaftsorientiertes Lernen ermöglichen, die Abfolge der Planungsschritte muss den Kriterien der lernlogischen Erkenntnisgewinnung genügen. Das Ermöglichen eigener Fragstellungen seitens der SuS, die Nutzung kommunikativer Möglichkeiten (das gesprochen Wort ermöglicht oft erst das bewusste Denken), eine durchgängige Transparenz des Lehrers führen in der Praxis zu wertvollen und verstehensfördernden Begegnungsmöglichkeiten. Dadurch, dass der Lehrer ein anderes Wissen hat, muss er nicht zum Besserwisser werden – Verantwortungsübernahme für Planung und Durchführung kann sich durch Souveränität, Flexibilität und Dialogfähigkeit auszeichnen! Für die Besuchsstunden kann sowohl die ´prozessorientierte´ (Download 1) wie Tabellenform (vgl. Kursbuch und das Beispiel des Studienseminars Paderborn) genutzt werden. Der Spannungsbogen zwischen der Leitfrage (… wozu die Er-Öffnung hinführt) und der Ergebnissicherung (hier wird der Lernzuwachs ablesbar) muss deutlich werden, das vermutete Ergebnis sollte gesondert ausgewiesen werden (erwartetes Tafelbild, …). An ausgewählten Schlüsselstellen sollte die Intention kurz und knapp fixiert werden, dies lässt sich bei der Tabellenform durch ein Querformat und einer zusätzliche Spalte gut einlösen, in der prozessorientierten Form ist dies in Form einer Anmerkung möglich. Der Entwurf ist ein Planungshilfe für die Durchführung des Unterrichts, die Qualität der ermöglichten Lernprozesse ist wichtiger als das zeitliche ´Durchkommen´. Es gibt kein 1:1 Lehren - Lernen und damit auch keine 1:1 Planung - Durchführung. Andererseits ist natürlich zu bedenken, dass ein Merkmal eines guten Unterrichts, welches auch in empirischen Studien bestätigt wird, eine effizientes Lernangebot (´Echte Lernzeit´ = Intensive Nutzung der Lernzeit) ist. Für den Lehrer bedeutet dies, dass er die SuS zur Aktivität herausfordert und ihnen dafür auch einen angemessenen Zeitrahmen zur Verfügung stellt, er sollte konzentriert bei der Sache sein und auf das notwendige soziale Setting (Disziplin) achten. Die authentische Lehrerpersönlichkeit, eine entsprechende Professionalität und eine reflektierte Vorstellung über das Lernen und Lehren (vgl. auch Download 2) sind dazu unabdingbare Voraussetzungen. Reinhold Miller fragt in seinem Buch ´99 Schritte zum professionellen Lerner´ (S. 176): „Sind Sie ein Planungsriese und ein Realisierungszwerg – oder umgekehrt: Ein Planungszwerg und ein Realisierungsriese – oder halten Sie die Balance?“ Welche Strategie (s.o.) verfolgen Sie? Halten Sie die Balance?
Arbeitsmaterialien zum Download
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Ergebnissicherung / weiterführende Fragestellungen
Vom Lehr(er)plan zum Lernplan oder: Welche anregende Lehr-Lernarrangement ermöglichen ein nachhaltiges Lernen im Sinne einer aktiven Bedeutungsbildung seitens der Lerner? Die Verantwortung und Kompetenz des Lehrers in bei der Planung und Durchführung des Unterrichts in einem hohen Maße gefordert. Es gilt nicht nur eine für SuS angemessene Lernlandschaft zu gestalten, in denen sie lernen und verstehen können, sondern der Planungsentwurf definiert auch die Rolle des Lehrers in der Unterrichtsstunde. Es geht also bei der Planung auch darum, die Verantwortungsbereiche der am Unterricht Beteiligten zu klären bzw. dialogisch orientierte Phasen vorzusehen, in denen eine Begegnung zu Impulsen führen kann. Das Einbinden in eine Thematik (Motivation / Sinn), das Erschließen einer angemessenen Zielorientierung/Fragestellung, die Bearbeitung eines Themas / einer Problemstellung unter der Zuhilfenahme vorbereiteter oder zu erkundender Hilfsmittel, das Beantworten der im Unterricht aufgeworfenen Frage, die vertiefende Rückschau und Wiederholung, ein metakognitiv und biografisch orientiertes Fazit und ein Ausblick (Anwendung des Gelernten) bilden eine klassische Struktur, die nicht zwangsläufig eine additive Abfolge sondern eher ein sich entfaltendes Netz des Unterrichtsgeschehens zeichnet. Diese Mikrostruktur einer Stunde ist das selbstähnliche Spiegelbild einer Reihe, die dort überlegte Grundstruktur wiederum ordnet die Abfolge einzelner Stunden. Die Eröffnungsphase einer Stunde entspricht dem Einstieg in einer Reihe, hier wie dort sollen Motivation und Sinnstiftung dazu führen, dass der zu bearbeitende Gegenstand/das Thema zur ´eigenen Sache´ der SuS wird. Die Leitfrage der Stunde ergibt sich aus den Lernzielen der Reihe und der sach- wie lernlogischen Struktur der Thematik, in der Planungsphase der Reihe, in der die Fragestellungen der SuS gesammelt und systematisiert werden, ergeben sich offenkundige Mitbeteiligungsmöglichkeiten. Die Erarbeitung und Ergebnissicherung sind auf der Stunden- wie Reihenebene eine wichtige Möglichkeit, auch im Sinne eines wissenschaftspropädeutischen Arbeitens metakognitive Strukturen des Lernens und Entdeckens zu reflektieren, explizit geschieht dies immer wieder am Ende einer Stunde (Rückblick auf das ´Was?´ und ´Wie?´ des Gelernten) wie auch der Reihe. Die eigene Stellungnahme, das Verorten des Lernzuwachses sollte im Kontext der Reihe nicht nur durch die Klausuren repräsentiert werden, hier gibt es vielfältige methodische Möglichkeiten der Sicherung und Feststellung des Lernzuwachses (Portfolio, …). Im Pädagogikunterricht stellt sich zu Recht die Frage des pädagogischen Bezuges, erst Recht, wenn Themen aus der Psychologie oder den Sozialwissenschaften diskutiert werden. In der Zielausrichtung der Reihe ist dies mit einem angemessenen Schwerpunkt zu bedenken, damit auch in den Einzelstunden eine entsprechende Fokussierung vorgenommen werden kann (Transparenz einer Stunde im Kontext einer Reihe). Wissenschaftspropädeutik und Handlungspropädeutik werden als gleichwertige Zielperspektiven im Lehrplan verortet, durch die vielfältigen Erfassungsmöglichkeiten der Erziehungswirklichkeit, durch das Einbinden biografischer Erfahrungen, durch die Anwendungsmöglichkeiten im Rahmen der unterrichtlichen Möglichkeiten kann die Theorie-Praxis Synthese ein wirkungsvolles Element der Erkenntnisgewinnung in Pädagogikunterricht werden. Der in der Anlage dargestellte Planungsbogen weicht von der üblichen Tabellenform ab, um die Gelenkstellen einer Stunde und die lernpsychologische Fundierung in ihrer strukturellen Bedingtheit besonders hervorzuheben. Natürlich sollte der Lehrer im Sinne einer Zielorientierung überlegen, in welche Richtung das Lernarrangement angelegt wird, nicht zuletzt deswegen, weil sich in Kenntnis der Reihen- und Stundenziele eine Flexibilität und Sicherheit gegenüber dem Lernprozess eröffnet. Das Einnehmen der Schülerperspektive bei der Planung soll der ´Planungszirkel Schülerperspektive´ (Download 2) ermöglichen – der Unterricht ist für die Schüler da und soll nicht an ihnen vorbeigeplant werden! Die hier aufgenommenen Fragen sind sorgfältig zu beantworten, fokussieren sie doch eine lernerorientierte Grundlegung des Unterrichts.
Ein persönliches Fazit
Zu Beginn unserer Tätigkeit als LAA macht die Reihenplanung den meisten sicherlich ein wenig Angst, da allein schon eine Einzelstunde einen immensen Aufwand erfordert. Auch Fragen wie: „Wie steige ich ein?“, „Wie baue ich die Reihe auf?“ etc. kommen auf. Eine große Hilfe ist hier die Vorstellung, dass eine Reihenplanung im Wesentlichen das Spiegelbild einer Einzelstunde ist, d.h. es gibt einen Einstieg, einen Erarbeitungsteil und einen Schlussteil. Dabei darf ein wichtiger Punkt bei der Reihenplanung nie vergessen werden: Der pädagogische Bezug, sprich: „Warum bearbeiten wir dieses Thema im PU?“. Denn die Grenzen zu Nachbarwissenschaften, wie z.B. der Psychologie, sind doch eher fließend. Bei der Planung der Einzelstunde ist gerade zu Beginn der prozessorientierte Entwurfsbogen von Vorteil, da er die Struktur einer Stunde anschaulich verdeutlicht und der aufgezeichnete Spannungsbogen förmlich zu einer Überprüfung des Stundenziels (Beantwortung der Leitfrage) zwingt. Aufgrund eigener Erfahrungen kann ich die Planung anhand dieses Bogens gerade bei ersten Unterrichtsversuchen empfehlen. (D. S.)
Heinz Dorlöchter
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