Thema:
Leistungsbewertung
Impulse zur Auseinandersetzung:
"Lernsituationen unterscheiden sich deutlich von Leistungssituationen. (...) In Lernsituationen werden Fehler als Grenzerfahrung und Herausforderung gleichzeitig erlebt, in Leistungssituationen sind sie persönliches Versagen. Prüfungen - Tests, Klassen- (Schul-)arbeiten und Übergangs- oder Abschlussprüfungen - sind typische Leistungssituationen, die für den Lernprozess steuernde Wirkung haben, da sie Art und Umfang des erwarteten Wissens und die gültigen Gütemaßstäbe verdeutlichen. Der Unterricht sollte demgegenüber primär ein Ort des Lernens sein."(Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung, Gutachten zur Vorbereitung des Programms "Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts", Heft 60, Bonn Dez. 1997, S. 27) „So viele nicht mit Leistungsbewertungen verbundene Lernsituationen wie möglich, so viele Leistungssituationen wie nötig“ (Andres Helmke 2006)
Inhaltliche Hinweise
Die Kennzeichnung der erreichten Anforderungen durch eine Note setzt voraus, dass eine möglichst präzise Beschreibung der Erwartungen formuliert wird (vgl.: Lehrplan EW, Abschnitt 4 und die Beschreibung der Anforderungsbereiche S. 63f). Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein ganzheitlich gewonnener Eindruck eine wichtige Komponente im Notenfindungsprozess ist, die Bewertung der Teilaufgaben ist zwar eine Hilfe für den Gesamteindruck, die unterschiedliche Dimensionierung der Aufgaben und die damit angesprochenen Qualifikationen bedeuten aber auch einen unterschiedlichen Anforderungsgrad, was in der Gesamtheit (welche eben doch mehr ist als die Summe ihrer Teile) zum Ausdruck kommen muss (vgl.: Schriftenreihe Schule in NRW, Nr. 4719/1; Sek II Aufgabenbeispiele Erziehungswissenschaft: Operatoren Überblick, S. 60ff.; vgl. auch: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/abitur-gost-07/download/ew-o-uebersicht.pdf). Die Aufgabenstellungen (vgl. Download 1) selbst müssen den SuS bzgl. ihrer Bedeutung bekannt sein, hier empfiehlt sich eine genaue Besprechung wie eine konsequente Einführung. Weitere Hilfen dazu finden Sie unter der Adresse: http://www.studentenpilot.de/ studienplanung/pruefungen/klausurschreibentipps_studeo.htm . Eine Leistungsbewertung kann auf vielfältige Art und Weise erfolgen (vgl. z.B. Klaus Beyer: Handlungspropädeutischer PU Bd. III. Schneider Verlag, Hohengehren 1998, S. 138ff. - operationsbezogene Beurteilungskriterien), trotzdem bleibt festzuhalten, dass Leisten und Bewerten in der Schule vielfältige Funktionen haben und sich in durchaus widersprüchlichen Kontexten und Spannungsfeldern befinden (vgl. etwa: Eiko Jürgens: Leistung und Beurteilung in der Schule. Academica Verlag, St. Augustin 1997; Lernende Schule, Heft 21 2003: Leisten und Bewerten), was umso mehr bedeutet, gegenüber Schülern immer wieder darauf zu achten, dass Bewerten auch Wertschätzung beinhaltet! P.S.: Für die Bewertung der Schülerleistung über den schriftlichen Bereich hinaus geben folgende Strukturierungshilfen und Beobachtungshinweise eine erste Orientierung: Eiko Jürgens: Leistung und Beurteilung in der Schule. Academica Verlag, Sankt Augustin 1995, S. 72 Rolf Dubs: Lehrerverhalten. SKV, Zürich 1995, S. 301 Anmerkung: Die Abiturvorschläge für das Jahr 2005 (Zwei für diesen Jahrgang ausgewählten Vorschläge) können Sie unter einem Kennwort im Themenfeld ´Abitur im Fach Erziehungswissenschaft´ abrufen.
Arbeitsmaterialien zum Download
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Ergebnissicherung / weiterführende Fragestellungen
Der Unterricht wird nicht durch Leistungssituationen dominiert, die Schwierigkeit einer pädagogisch angemessenen Leistungsbewertung, die auch dem Anspruch einer Wertschätzung im Rahmen der Auflagen der Institution Schule gerecht werden kann, wird in der entsprechenden Literatur immer wieder diskutiert. Dabei werden auch interessante Vorschläge einer eher prozessorientierten Lernerfolgsüberprüfung gemacht (Lerntagebuch, ´Pensenbücher´, Portfolio, …), die zu einem späteren Zeitpunkt bzgl. ihrer Einsatzmöglichkeiten für den PU aufgenommen werden sollen. Zur Vorbereitung der heutigen Sitzung wurde eine Abiturklausur eines Schülers und der Erwartungshorizont des Lehrers entsprechend der Einreichungsvorgaben für das Abitur ausgegeben mit der Aufforderung, diese Klausur kriterienorientiert einzuschätzen und entsprechend der Ausführungen im Lehrplan durch eine Note zu bewerten. Im Rahmen einer Koop-Veranstaltung wurden zu dem heutigen ´offenen Fachseminar´ auch die Ausbildungslehrer eingeladen. Nach einem kurzen Einführungsvortrag, bei dem auf die Unterscheidung zwischen Lern- und Leistungssituationen hingewiesen, eine Begriffsklärung vorgenommen und mögliche Beurteilungsmaßstäbe einer Schülerleistung (intraidiviudell, interindividuell, kriteriumsorientiert) aufgezeigt wurden, konnten zunächst einmal Fragen bzgl. der vorliegenden mehrjährig zurückliegenden Abiturklausur gestellt werden. Die Ergebnisse der Bearbeitung der einzelnen Aufgaben in Kleingruppen wurden anschließend zusammengetragen, die darauf folgende gemeinsame Notenfindungsdiskussion machte u.a. noch einmal deutlich, dass mehrere Bezugssysteme einfließen und die kriteriumsoientierten Begründungselemente und die damit verbundene Einschätzung und Wertschätzung der Schülerleistung naturgemäß aussagekräftiger sind als eine Note, die letztlich die Orientierung in einer Rangskala bedeutet. Übrigens viel es den 9 TN des FS und den 7 Gästen nicht schwer zu einer gemeinsamen Notenfindung zu gelangen, was möglicherweise daran lag, dass die Klausur im Bereich von gut (mit leichten Schwächen) eingeordnet wurde. Grundsätzlich wäre es bei allen Klausuren wünschenswert, über diese Kommentierung des Lehrers, die ja sowohl Stärken aufzeigen und auch Schwächen ansprechen soll, mit dem Schüler in einen Dialog zu treten, damit intraindiviuelle Aspekte angesprochen und für die Weiterentwicklung des Schülers genutzt werden können. Anmerkung: Ein vorbereitendes Script wurde den TN zur Verfügung gestellt.
Ein persönliches Fazit
Das offene Fachseminar zum Thema Leistungsbewertung war eine interessante Erfahrung mit dem Ergebnis: Die Bewertung schriftlicher Leistungen ist nicht so subjektiv wie man meinen könnte. Referendare, Junglehrer und "alte Hasen" haben die zu beurteilende Abiturklausur, mit leicht unterschiedlichen Akzentuierungen, dem Zweierbereich zugeordnet. Mir wurde aber auch klar, dass ein im Vorfeld erstellter Erwartungshorizont für die Objektivität unabdingbar ist. Zudem war für mich persönlich die in diesem Zusammenhang gefallene Aussage, Bewerten habe immer auch etwas mit Wertschätzung zu tun, von großer Bedeutung. Meines Erachtens unterstreicht diese Aussage die Wichtigkeit konstruktiver Kritik verbunden mit dem Bemühen, bei aller Enttäuschung über die nicht erbrachten Leistungen, immer auch positive Aspekte herauszustellen. Insgesamt war es eine ansprechende Fachsitzung, die die schon für den BDU wichtige Lehrerfunktion ´Beurteilen und Bewerten' angemessen thematisierte. (U. B.)
Heinz Dorlöchter
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