Thema:
Biografisches Lernen im Pädagogikunterricht
Impulse zur Auseinandersetzung:
Lassen sich durch die Möglichkeiten biografischen Lernens im Pädagogikunterricht -wirkliche Schülerinnenorientierung / Schülerorientierung -die konsequente Würdigung des Lernenden Subjekts im Unterricht -eine Anbindung von Sachinhalten an die Lebensgesichte der / des Einzelnen -erfahrungsreiche Lernprozesse -beglückende Ergebnisse im Unterricht, abseits der täglichen und allen Beteiligten zu oft frustrierten Routine -eine gesellschaftlichen Bedingungen wie individuellen Voraussetzungen entsprechende "Persönlichkeits-Bildung" unserer Schülerinnen und Schüler realisieren? (Stefan Rogal: Schul-Spuren - Möglichkeiten biografischen Lernens im Pädagogikunterricht. Schneider Verlag, Hohengehren 1999, S. 7 - vgl. auch Dowmload 2)
Inhaltliche Hinweise
Das biografisch orientierte Lernen wird in der fachdidaktischen Diskussion kontrovers diskutiert, oft brechen sich die Argumente vor dem Hintergrund der Fragen zum Anspruch wissenschaftsorientierten Arbeitens im Pädagogikunterricht oder auch der Vorstellungen über eine sinnvolle Verknüpfung von Theorie und Praxis. Umstritten ist auch, welchen Erfahrungsraum der Unterricht selbst für biografisch orientierten Lernprozesse und deren Reflexion zur Verfügung stellen werden soll - hier werden durchaus auch unterschiedliche Zielvorstellungen des Pädagogikunterrichts deutlich. In der Dialogischen Fachdidaktik gibt es eine enge Verknüpfung zwischen dem Aspekt des biografischen (personenzentrierten) und problemorientierten Lernens, ein Ansatz, wie er auch von konstruktivistisch orientierten Ansätzen (vgl. Reinmann-Rothmeier / Mandl, a.a.O.) durch den Begriff der ´problemorientierten Lernumgebungen´ betont wird. Inwiefern eine Betonung des Begriffs der Handlungspropädeutik hier Perspektiven aufzeigen kann (vgl. Klaus Beyer), möge der Unterrichtende selbst entscheiden wie es überhaupt wesentlich ist, eine eigene begründete Positionierung vorzunehmen, um als Lehrender seine Orientierung im didaktischen Dreieck/Netz zu finden und damit Sicherheit in der Lehrerpersönlichkeit einschließlich der eigenen Handlungsstrategien zu erlangen. Die Schulbuchreihe Phoenix nutzt die Möglichkeiten biografischen Lernens konsequent durch den Aufbau der einzelnen problemorientiert angelegen Themen (Wabenmodell). Lernen ist schlechthin biografisch, die Bereitstellung auch methodischer Kompetenzen soll helfen, entsprechende Prozesse in Gang zu bringen und zu begleiten (vgl. Vorworte in den Schulbüchern Phoenix). Visuelles Material, Rollenbiografische Übungen, Szenisches Spiel, das Nachstellen von Situationen, Standbilder usw. bieten vielfältige Möglichkeiten, bedeutungsbildende Aktivitäten zu initiieren und Reflexionsprozessen zugänglich zu machen, was das Einbinden in theoretische Überlegungen im Sinne einer Wissenschaftspropädeutik (vgl. die Vernetzung der vier Qualifikationsfelder) mit einschließt.
Arbeitsmaterialien zum Download
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Ergebnissicherung / weiterführende Fragestellungen
Die Lebenskompetenz des Menschen zu fördern gehört zu den Aufgaben der Allgemeinbildung, der PU nimmt zu Recht für sich in Anspruch, hier einen besonderen Beitrag leisten zu können. Themen und Praxis des Unterrichts bieten in besonderer Weise die Möglichkeit, Fähigkeiten und Bereitschaften auszubilden -die eigene Lebensgeschichte, eigene Deutungs- und Handlungsmuster bewusst zu rekonstruieren, besonders bezogen auf eigene Erziehungserfahrungen -eigenes Denken und Handeln vor dem Hintergrund erworbener erziehungswissenschaftlicher Kenntnisse zu deuten -das eigenen pädagogische Verhalten kritisch zu überprüfen, eine eigene pädagogische Position zu entwickeln und Verantwortung in erzieherischen Prozessen zu übernehmen -die zukünftige biografische Entwicklung zu antizipieren und sich gezielt darauf vorzubereiten (Edwin Stiller: Dialogische Fachdidaktik Bd. 1, S. 56; DFD Bd. 2, S. 185 ff. Schöningh Verlag, Paderborn 1997, 1999) Um mögliche Einwände vorwegzunehmen: "Es geht nicht um die Einführung von Subjektivismus in die Wissenschaft. Es geht darum, die Subjekte in sie einzuführen als Träger von biografischen Erfahrungen, welche den Stoff der Wirklichkeit enthalten; und es geht darum, den Stoff zu entfalten - praktisch und theoretisch, in einem einzigen Akt. Methodische Grundoperation ist das Verstehen. Es vollzieht sich nicht ohne, schon gar nicht gegen die Teilnehmer an dem Arbeitsprozess. (Thiemann, Friedrich; Schulszenen. Vom Herrschen und vom Leiden, Frankfurt: Suhrkamp 1985, S. 19f.) Die hier deutlich werdenden Aspekte biografischen Lernens lassen sich auch als Formen des Lernens durch einen "inneren-" und "äußeren Dialog" beschreiben (vgl. Download 1), in der Dialogischen Fachdidaktik wird diese Vernetzung durch die vier Qualifikationsfelder: Biografie, Interaktion, Erziehungspraxis und Erziehungstheorie und deren Dimensionierung in die Ebenen von Wahrnehmen, Erkennen, Darstellen / Deuten, Analysieren, Erklären / Urteilen, Entscheidung, Stellung nehmen / Planen, Simulieren, Handeln ausgedrückt. Diese Verbindung von Selbst-, Sozial- und Handlungskompetenz kann zu einer Förderung der Humankompetenz führen, die im Fächerkanon der Schule für das Fach EW außergewöhnliche Chancen bietet (vgl. dazu auch: Heinz Dorlöchter: Der Beitrag des Faches EW zu Humankompetenz oder: Das Leben ist eine Kunst: PU, 4/2002). Für die Unterrichtspraxis liegen hier aber auch besondere Anforderungen an den Unterricht, da erlebte bzw. reflektierte Praxis und Theorie bzw. Hypothesen- und Modellbildung als methodisches Repertoire seitens der SuS erkannt und eine Bereitschaft zum Einlassen als forschender Lerner erwartet wird, was für den Lehrer ein hohes Maß an Sensibilität und Kompetenz erfordert. Im Fachseminar wurden nach einem Powerpoint unterstützen Einführungsvortrag entsprechende Übungen durchgeführt und Möglichkeiten zur Umsetzung im Unterricht diskutiert (Rollenbiografische Überlegungen zum ´Wolfsjungen´, Biografische Überlegungen zum Thema ´Lieblingsspielzeug´, …). Belehrende Unterrichtsarrangements können dabei Selbstlernprozesse eher behindern, eine sinnvolle Verbindung zwischen dem Unterricht als Instruktion im Sinne von Anbieten, Darbieten und Erklären (Gestaltung gegenstandszentrierter Lernumgebungen) und Konstruktion im Sinne der Unterstützung, Anregung und Beratung von aktiven Lernprozessen (Vgl. Gabi Reinmann-Rothmeier / Heinz Mandl: Unterrichten und Lernumgebungen gestalten. In: Krapp/Weidemann (Hrsg.) Pädagogische Psychologie. Beltz Verlag, Weinheim 2001) und dem sensiblen Einbringen der eigenen Persönlichkeit als Lehrer/Lehrerin im Sinne Rogers (Akzeptanz, Empathie, Kongruenz) zur Förderung dialogischer Lernprozesse stellen eine unbedingte Voraussetzung dar.
Ein persönliches Fazit
Anstelle bzw. als ein(es) persönliches Fazit(s) möchte ich einen Ausschnitt aus der Denkschrift der Kommision "Zukunft der Bildung - Schule der Zukunft" hinzufügen: "Fachliches Lernen und fachliche Kompetenz werden auch in der Schule der Zukunft ihren herausragenden Platz haben. Fachliches Lernen wird sich aber anders vollziehen, als es heute in der Regel noch der Fall ist: es wird stärker auf überfachliche Zusammenhänge bezogen werden, Sinnhaftigkeit und Anwendungsbezug werden erfahrbar sein müssen, wenn Lernen dauerhafte Bildungswirksamkeit haben soll. Alltagsfragen, Alltagserfahrungen und Lebensprobleme, die SuS mitbringen, sollen die Lernsituationen in stärkerem Maße mitbestimmen, sie realitätsnäher werden lassen.(...) Die Gestaltung des Unterrichts sollte sich daher auch daran orientieren, dass SuS lernen können, ihre Lebenssituation im "Hier und Heute" zu thematisieren und Wege zu finden, diese bewältigen zu können." (J. H.)
Heinz Dorlöchter
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